Eine sehr intensive Woche ist zu Ende gegangen. Das erste Mal habe ich zusammen mit Berenike Schaak von Rudelherz eine ganze Seminarwoche veranstaltet für Menschen mit ihren Hunden, welche sich etwas tiefer hinein in die eigene Seele begeben wollen. Menschen, deren Hunde Botschaften haben. Mein Hund- mein Spiegel!
Eine Reise zu dir selbst ist kostbar. Es ist der Weg hin zu deinem wahren „Ich“. Wer bin ich? Wer war ich einst? Und wann ist es passiert, dass ich mich selbst nicht mehr spüre? Oder nur zum Teil spüre? Auch in meinem Kopf rattert es. Viel von dem Gesagt & Erlebten klingt an in mir. Berührt Teile, welche ich verschüttet sah. Es bereitet mir große Freude, dieses Erlebnis im nächsten Jahr zu wiederholen und vielleicht auch, weiterzugehen. Die Reise, welche wir begonnen haben, weiterzuspinnen mit all jenen, die nochmal mitfahren möchten in unserem Boot.

Diese Woche war geprägt durch die Arbeit von Maja Nowak. Ich schätze diese Frau sehr, auch wenn ihr Weg nur zum Teil der meine sein wird. Dazu später mehr. Es arbeitet noch so vieles in mir. Nachlesen könnt ihr auch in ihrem Buch „Der Hund als Spiegel des Menschen- behutsame Wege zur Traumaheilung“. Wer sie noch nicht kennt, dem rate ich mit „Wanja und die wilden Hunde anzufangen“- eine Autobiografie, welche sich sanft den Themen widtmet, die in die Tiefe des Selbst gehen.

Meine Hunde sind wundervolle Reisebegleiter meines Lebens und so haben sie auch heute Nacht zu neuen Erkenntnissen verholfen. Mitten in der Nacht wurde ich geweckt. Meine kleine Kobolddame hat erbrochen. Ich habe eine untrügliche Antenne dafür, wenn es einem meiner Hunde nicht gut geht. Ich bin stets zur Stelle und unterstütze sie. Sie wissen das und sind dankbar über meine Fürsorge. Sie suchen auch aktiv meine Nähe, wenn sie mich brauchen. Als der Spuk vorüber war, wollte ich nicht wieder ins Bett. Es ist nachts um 2 und ich bin hellwach. Gut, denke ich, folge deinen Impulsen. Alles andere geht nie gut aus! Wenn du wach bist, dann sei wach. Wenn du wieder schlafen willst, leg dich hin. Versuche ich zu schlafen, wenn ich wach bin, fühle ich mich am nächsten Morgen wie gerädert. Folge ich jedoch meinen inneren Impulsen fühle ich mich fit und erholt.

Heute Nacht bedeutete das: Raus ins Dunkle! Bewegung und frische Luft. Gott sei Dank machen das die drei einfach mit- auch wenn der ein oder andere irritierte Blick mich streifte, als ich weiter laufen wollte, nachdem sich alle gelöst haben. Es war herrlich bei Nacht und Nebel draußen zu sein. Die Stille im Außen hilft mir Antworten im Inneren zu finden. Wieder drinnen angekommen, war ich weiterhin hellwach und entschied mich für einen Film. Auch hier folgte ich einer Intuition. „Wunderschön“ von und mit Karoline Herfurth sollte es werden. Ich möchte hier einen Auschnitt daraus beschreiben. Die Kunstlehrerin, gespielt von Nora Tschirner, bittet ihre Klasse um ein Selbstporträt. Mit zwei Farben zeigt man, was man an sich mag und was nicht. Azusnahmslos alle zeichnen ein Bild der äußeren Erscheinung und dann kam die Frage: „Ist das alles? Definiert unser Äußeres unser Sein? Sind wir nur unsere äußere Erscheinung?“
Auch mit unseren Hunden sind wir immer im Außen. Sein Verhalten, seine Optik definiert, was wir von unseren Hunden denken. Aber sind sie nicht so viel mehr als das? Sind wir nicht so viel mehr? Im Film werden dann die Schüler befragt, wie sie sich gegenseitig wahrnehmen. Der Blick von Außen, eine neue Perspektive eröffnet uns unendlich viele Möglichkeiten. Frag deinen Partner/ deine Partnerin mal, was er oder sie an dir mag? Wie sieht er oder sie dich? Was schätzen deine Freunde, Kollegen oder deine Familienmitglieder an dir?
Und jetzt gehen wir noch ein Stück weiter und fragen unser Umfeld, wie sie unseren Hund wahrnehmen! Was mögen sie an ihm? Was fällt ihnen auf? Wie sehen sie ihn oder sie? Dies ist ein erster Schritt hin zu einem vollkommenen Selbstbild.
Wir wollen noch ein Stück tiefer eintauchen. Im Film bittet Nora Tschirner ihre Klasse einen Gegenstand zu finden, der ihre Interessen darstellt. Ein Gegenstand, der das „Wahre Ich“ zeigt. Wenn du dich auf etwas projizieren könntest, was wäre das? Wenn du ganz du selbst sein kannst, wer wärst du? Wir alle haben ein Bild von uns ganz tief in uns versteckt. Wir trauen uns nicht, wir selbst zu sein. Dabei haben wir nichts zu verlieren! Denn wenn wir in unsere Kraft kommen und unser wahres Ich zeigen, leuchten wir so hell und strahlend, dass andere davon eingenommen werden und uns folgen. Wo Licht ist, ist auch Schatten. Doch diese Schatten verraten dem Gegenüber mehr über sich selbst als über dich! Lass die Schatten Schatten sein und widtme dich deinem Licht.
Mein Selbst ist eine kleine Pippi Langstrumpf. Die wilde und unbezähmbare Natur ist ihre Villa Kunterbunt. Pippi ist mein Symbol für Freiheit, unbedingte Liebe zu allem,was sie umgibt, kindliche Neugier und Stärke, für sich einzustehen. Mutig geht sie ihren Weg und ist stets mit Leichtigkeit und Freude verbunden. Sie sieht die Dinge auf ihre ganz eigene Art und Weise. Sie ist laut. Sie kann auch leise. Sie ist einfach sie selbst! Authentisch, ehrlich und voller Vertrauen in das Leben. Sie ist mein Vorbild. Sie ist mein Impulsgeber. Sie ist meine Erinnerung an mich selbst. Wie sieht dein Selbst aus? Welche Eigenschaften hat es?

Dann kommt das Außen und ich verliere mein Bild. Ich verliere mich selbst in diesem Strudel aus Gedanken, Worten und Taten, welche nicht immer die meinen sind. Ich fühle eine Schwere, welche kaum in Worte zu fassen ist. Dann fällt es mir schwer, mich so zu sehen. Dann fühle ich mich verletzlich und angreifbar. Ein Schutzmantel legt sich um das „Selbst“ und verschließt sie in ihrer Villa Kunterbunt. Kennst du dieses Gefühl?
Im tiefsten Herzen weiß ich, dass ich nicht angreifbar bin, denn Pippi steht zu sich und ihren Entscheidungen. Niemand muss diese Entscheidungen teilen oder mögen, denn es sind ganz allein ihre. Nicht die der anderen! Das ist mein Mantra. Welches ist das deine?
Die Brücke zu mir selbst wird geformt durch meine Hunde. Ich habe das große Glück gleich drei an meiner Seite zu wissen, welche mit Eigenschaften gesegnet sind, die mich zurück zu mir führen. Meine Hunde helfen mir auf dem Weg zu bleiben und zeigen mir jeden Tag ein bisschen „Pippi Langstrumpf“. Wobei helfen dir deine Hunde? Welche Botschaften schicken sie an dein „wahres Ich“? Was dürfen sie für dich tun, damit du dich auf diese Reise begibst?

Wenn ich einen Gegenstand finden müsste, der mich darstellt, dann wären es meine drei Musketiere. Jeder einzelne steht für einen Teil meiner Selbst. Jeder kam zu einem bestimmten Zeitpunkt in mein Leben, als dieser Teil meines Selbst Aufmerksamkeit brauchte und sich zeigen wollte. Da ist zum einen Marley, mein treuer Begleiter und Seelenhund. Er trägt mich mit all meinen Fehlern, mit all meinen aufgestauten Emotionen. Er ist folgsam und absolut loyal. Dennoch hochsensibel. Er zeigt mir Disharmonien in meinem Inneren sofort an. Mit Konflikten kann er schlecht umgehen. Er wünscht sich Frieden und Harmonie. Er ist ein Partner auf Augenhöhe, der mich seit mittlerweile 13 Jahren trägt.
Ida kam nach weiteren 6 Jahren zu mir. Sie sprang direkt in mein Herz. Von Anfang an waren wir beide etwas Besonderes. Eine tiefe Verbindung, die es so selten gibt. Sie ist ganz und gar meine Beschützerin. Sie trägt meine Emotionen nach außen. Sie ist Stärke, Wachsamkeit und Hingabe. Sie besitzt eine Klarheit, in allem was sie tut, die ich an mir vermisse. Sie setzt ihre Prinzipien durch, ohne Wenn und Aber. Sie ist mit sich im Reinen und stets im Hier und Jetzt verankert. Sie trägt meine Bürde und Schwere im Leben. Sie zeigt mir in all ihrer Klarheit meinen Weg. Beide zusammen sind ein unschlagbares Team an meiner Seite.

Nach weiteren 4 Jahren machte sich ein neues Gefühl in mir bereit. Uns fehlt etwas. Ich wusste nicht was, bis Lucy den Weg zu uns fand. Marley hat entschieden- diese Hundedame ist es! Und so kam die kleine Pippilotta in unser Leben. So viel Leben, Leichtigkeit und Entdeckungsfreude ist eine wahre Wonne. Sie ist unser kleiner Kobold. Ein Fabelwesen, mit Schalk im Nacken. Sie zaubert ein Lächeln auf mein Gesicht an jedem einzelnen Tag. Sie macht sehr deutlich, dass sie meinen Ballast nicht will. Sie ist da, wenn ich in meiner Mitte bin. Wenn ich meine „Pippi Langstrumpf“ bin und sie geht, wenn ich mich selbst verliere. Das zarte Wesen brauche ich dann auch nicht, denn die beiden „Großen“ tragen mich ganz gut.

Nun macht sich ein neues Gefühl in mir breit. Mal sehen, wo es mich hinführen darf. Welcher Teil meiner Selbst sich jetzt zeigen möchte! Ich bin mir sicher, er wird die Gestalt eines Hundes haben.
Wofür stehen deine Hunde? Weshalb hast du gerade diesen einen Hund ausgewählt? Was habt ihr gemeinsam schon erlebt? Schreib es gern in die Kommentare. Teile deine Gedanken mit uns.
deine Lydia

