Wie dein Hund lernt sich zu entspannen!

Wie schön ist die Vorstellung, dass der Hund Zuhause gechillt in seinem Kissen liegt. Die Realität sieht in vielen Wohnungen anders aus. Der Hund liegt partout im Weg, beobachtet seine Menschen bei jeder Bewegung. Verlässt der Mensch den Raum, rennt der Hund hinterher. An Entspannung oder Ruhe ist nicht zu denken.
Dabei ist Ruhen und Schlafen für Hunde essentiell wichtig! Vor allem, dass die Hunde unabhängig von uns zur Ruhe kommen. Sehr oft höre ich in meinem Trainerinnen- Alltag den Satz „Wenn ich dann auf dem Sofa bin, entspannt er sich und schläft sofort ein. Bewege ich mich, steht er wieder auf!“
Was beim Streß passiert? Schau in diesen Blogartikel „Lernmechanismen„.
Das versetzt die Hunde in einen permanenten Alarmmodus. Wer ständig unter Strom steht, kann sich nicht entspannen. Ruhen Hunde nicht genug, fängt der chronische Streß an. Hunde brauchen je nach Typ und Alter 18 bis 22 Stunden Ruhe sowie Schlaf. Bekommen sie weniger, zum Beispiel nur 12 Stunden Schlaf und Ruhe, dann können wir es mit Menschen vergleichen, die dauerhaft nur 4 Stunden schlafen. Schlafmangel ist ein extrem hoher Streßfaktor und mindert die Lebensqualität sowie die Gesundheit massiv!
Was können wir nun tun, um unseren Hunden zu helfen auch ohne uns zu entspannen?

Ich trainiere unglaublich gern über die konditionierte Entspannung.
Das Ziel konditionierter Entspannung ist, dem Hund in (potentiell) stressigen Situationen ein vertrautes und sicheres Gefühl zu geben. Wir verknüpfen hierzu das Gefühl von Entspannung im häuslichen Bereich mit einem bestimmten (bis dato positivem oder neutralen) Außenreiz.
Dafür benötigen wir einen festen Entspannungsort, Duft, Musik und Licht sowie ein Signalwort.
Bevor du loslegst, schau dir die Checkliste an:
- Der Entspannungsort ist ein Safeplace für deinen Hund. Ein Ort, an dem er sich gern zurücknimmt und schläft. Wann und wo sind du und dein Hund normalerweise besonders entspannt? Gibt es Momente, in denen dein Hund ganz von alleine entspannt? Der Ort kann ein festes Körbchen, Kissen oder ein Schaffell sein. Das kann ein Tuch sein, welches ich ausbreite, immer dann wenn wir üben. Wichtig: es ist immer das Gleiche! Deshalb nehme ich gern eine Decke, welche ich überall hinlegen kann.
- Für die Entspannungsmusik haben Studien nachgewiesen, dass viele Hunde bei klassischer Klaviermusik zur Ruhe kommen. Welche Geräusche mögt ihr gern? Was hörst du für Musik? Ich nutze immer gern das, was bereits oft gehört wird. Welche Alltagsgeräusche habt ihr? Schaust du abends eine bestimmte Serie oder einen bestimmten Film? Meine Hunde sind konditioniert auf „Medical Detective“- die Serie. Das läuft bei uns zuverlässig so gut wie jeden Abend und auf jeden Fall bei jeder Trainingseinheit!
- Entspannungsdüfte sind zum Beispiel Lavendel, Weihrauch, Baldrian, Pfefferminze. Welche Gerüche können du und dein Hund gut leiden? Viele Hunde mögen z.B. den dezenten Geruch von Lavendel. Ich teste immer gern die Teesorten im Schrank aus. Lege drei, vier verschieden duftende Teebeutel auf den Boden mit genügend Abstand und schau wo dein Hund hingeht und dran schnüffelt. Leg einen Teebeutel nun an den Ort für das Entspannungstraining oder träufel etwas Tee auf die Decke. Manche Hunde mögen den Duft auch an sich > beträufel das Halsband oder ein Halstuch. Probiert euch aus. Wichtig: Der Duft taucht IMMER bei den Trainingseinheiten auf!
- Blaues Licht wirkt beruhigend, das ist nachgewiesen. Finde ein kleines Nachtlicht mit blauem Licht, welches du anmachst, wenn ihr trainiert oder abends ins Bett geht.
- Ein gutes Signalwort für „Relaxen auf Knopfdruck“. Oft genutzte Worte sind „Chill mal“ oder „Wooza“.

Es gibt zwei Möglichkeiten, bei deinem Hund Entspannung zu konditionieren:
- „Passiv“: Nutze die Momente, in denen dein Hund von sich aus richtig entspannt ist. Füge der ohnehin entspannten Situation den Reiz hinzu, für den du dich entschieden hast und entferne ihn rechtzeitig wieder, ehe die tiefe Entspannung nachlässt.
B. „Aktiv„: Hole deinen Hund nach dem immer gleichen Ritual zu dir. Die Situation sollte z.B. durch den Ort (z.B. Sofa, auf einer Decke am Boden) oder deine Körperhaltung (z.B. mit ausgebreiteten Beinen) für deinen Hund Wiedererkennungswert haben. Ergänze den ausgewählten Reiz. Wenn dein Hund nach einigen Wiederholungen verstanden hat, was ihn erwartet, wird er sich vielleicht schon jetzt auf die Seite legen und in den entspannten Modus wechseln. Bis dahin ist es aber auch ok, wenn er steht oder sitzt. Beginne damit, deinen Hund in langen und langsamen Zügen mit gleichmäßig starkem Druck „auszustreichen“: Beginne am Kopf und am Hals (-Kragen), streiche weiter über die Flanke oder den Rücken bis hinunter zu den Gliedmaßen. Dein Hund wird dir schnell signalisieren, was er gerne mag und was nicht. Neben dem Ausstreichen hast du auch die Möglichkeit der unten beschriebenen Klopftechnik.
Trainiere für mindestens 30 Minuten, gern täglich und lass die entstandene Ruhe immer ein wenig nachwirken.
Hibbelige Hunde musst du vielleicht etwas häufiger zu dir einladen, anfangs kürzere Einheiten durchführen oder auf Streicheln zu Gunsten z.B. von Kontaktliegen verzichten, wenn sie ansonsten überdrehen.
Hast du noch Fragen oder möchtest du deine Erfahrung mitteilen? Dann schreib es gern in die Kommentare.
eure Lydia
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