Viele Jahre war ich Teil der Rettungshundewelt. Dank Marley habe ich die Liebe zum Ehrenamt entdeckt. Marley war und ist ein begeisterter Flächensuchhund. Eine Aufgabe, welche absolut seiner Genetik entsprach und ihm endlich die Auslastung bot, die er suchte?!
Mich packte der Ehrgeiz. Wenn schon, dann richtig- ein netter Glaubenssatz, der leider oft zu Ungunsten meiner Hunde und meiner Gesundheit geht.
Rückblickend denke ich, dass ich uns auch häufig über die Grenzen getrieben habe. Manchmal habe ich das wichtigste vergessen: Spass am gemeinsam Zeit verbringen! Weniger ist manchmal mehr, vor allem wenn Hunde älter werden. Auch die Wahl der Beschäftigung und die Art der Ausbildung steht bei mir heute deutlich mehr auf dem Prüfstand.
Zweimal die Woche Training. Samstags immer ganztägig irgendwo in Thüringen. Eine Kameradschaft mit gemeinsamen Ziel: Leben retten. Etwas sinnvolles mit dem Hund anfangen und nicht „nur“ seine Zeit auf dem Hundeplatz verbringen.
Klingt alles erstmal traumhaft und ernsthaft. Dass dabei oft die Hunde im „Trieb“ aufgebaut werden und somit zu Suchtkranken werden, verschweigen wir lieber. Dass diese Hunde für den nächsten Kick alles tun und der Zwang nach dem nächsten „Schuss“ kein Spass ist, sehen viele nicht.
Also suche ich Wege, mit den Hunden zu arbeiten, ohne dass sie den Kopf verlieren und suchtkrank werden. Das geht! Und es macht Spass. Zu sehen wie Hunde ihre Nase entdecken, zu bemerken wie sie nachdenken und Lösungen finden, befriedigt auf eine besondere Art.
Doch was macht das mit dem Team „Mensch- Hund“? Ist der eine Sport, die eine Auslastung besser als die andere? Viel Gezank dreht sich darum. In Österreich wird manch ein Hundesport einfach verboten ohne genau hinzusehen. Alles hat sein für und wider. Und jeder Hund hat das Recht seiner Genetik entsprechend ausgelastet zu werden. Nicht jeder Hund will alles machen, aber wir sollten Zuchtzwecke und Vergangenheit nicht vergessen. Ein Hund, der selektiert wurde zum hüten, will auch hüten! Kann er sich in einer gewissen Form nicht ausleben, fehlt es an Lebensqualität. Gleichzeitig gibt es viele Hunde, welche überfordert sind mit zusätzlicher Beschäftigung.
Generell gilt: gemeinsame Erlebnisse schweißen zusammen. Das gilt nicht nur für unsere Mitmenschen, sondern auch für die Beziehung zu unseren Hunden. Jeder, der sich intensiver mit dem Hund beschäftigt, egal ob Sport oder Ehrenamt oder Hundeschule, wird mir bestätigen, dass es das Band noch enger macht. Die magische Verbindung zwischen Mensch und Hund verwoben und gestärkt.
Marley hat dadurch einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen. Wir vertrauen einander blind. Wir verlassen uns zuverlässig auf einander. Wir kennen uns in und auswendig. Das alles entsteht durch gemeinsames Leben und Arbeiten. Man geht durch Höhen und Tiefen- im wörtlichen Sinne bei Lehrgängen im Harz x).
Auch Ida durfte in die Ausbildung zum Rettungshund einsteigen. Das Mantrailing gab uns dabei nochmal eine ganz neue Sicht auf Zusammenarbeit und Kooperation. Der Hund ist enger geführt, näher bei mir und mehr auf meine Unterstützung angewiesen als in der Fläche. Gleichzeitig muss sie sich deutlich vehementer durchsetzen, wenn ihr der Geruch den Weg weist.
Dazu arbeitet sie als Therapiehund mit Kindern, Kranken und Senioren. Sie ist dabei so vielfältig, feinfühlig und geduldig- ich ziehe jedes Mal meinen Hut vor ihr.
Lucy kam mach meiner Zeit als Freizeitsportler. Hundeschule ist Alltag geworden, Beschäftigung wird täglich angeboten und die Welpen brauchen immer Tanten und Onkel für die Sozialkompetenz. Lucy kam als Mitarbeiterin für die Hundeschule und liebt es einfach. Sie ist begeistert für jede Arbeitsart zu haben. Ich bin mir sicher, sie wäre genial in der Fläche und im Mantrailing- aber die Zeit dafür ist im Moment nicht da. So darf sie in den Hundegruppen sein.
Und ganz manchmal habe ich Freizeit, dann tricksen wir, machen Parcour, schnüffeln Kekse, gehen wandern oder arbeiten mit der Nase auf der Suche nach Kleinstgegenständen. Langweilig wird es nie, aber ich merke, dass mir die Regelmäßigkeit der gemeinsamen Beschäftigung fehlt. Die Verbindung durch gemeinsame Abenteuer und Herausforderungen. Der Adrebalinkick der Prüfungen, die Urkunden und einfach der Stolz auf die geschaffte Leistung, das alles verschafft mir Endorphine und ein starkes Band der Verbundenheit zueinander.
Meine Kunden bleiben teilweise ein Hundelebenlang in der Hundeschule. Sie bekommen oft die Frage weshalb sie noch hingehen. Davon abgesehen, dass Training ein immerwährender Prozess ist und man immer wieder Fortschritte festigt, ist der höufigste Grund die gemeinsame Zeit mit dem Hund. Sich eine Stunde in der Woche zu klauen und ganz bei sich und dem Hund sein.
Gemeinsam sportlich Spass haben, die Beziehung bestätigen und festigen ist das, was so schön ist. Der Hundeclub bietet vielfältige Möglichkeiten mit dem Hund gemeinsam „alt“ zu werden. Ob alltagskompetenz oder einfach nur Beschäftigung, es ist immer was dabei. Ich sehe es den Teams an, welche regelmäßig kommen und auch bleiben. Die Memschen verstehen ihre Hunde, die Hunde verlassen sich auf den Menschen. Beide Augenpaare glänzender Begeisterung und die Herzen sind weit geöffnet. Eine wunderschöne Zeit mit einander wird zu Gold in der Erinnerung.
Nimm dir Zeit für dich und deinen Hund.
Eure Lydia
